Dipl.-Ing., Bürgermeister a.D., ist ein deutscher Architekt und Stadtplaner. Er wurde am 02.12.1941 in Sternberg / CZ-Nordmähren geboren und lebt, verheiratet mit Sonja geb. Auch, in Stuttgart.
Die ersten Lebensjahre verbrachte Wilfried Brückner auf dem Bauernhof seiner Eltern Erwin Brückner d.Ä. und Ottilie geb. Frieb im Dorf Babitz bei Sternberg. Der Vater hatte in Prag Architektur studiert, musste aber nach dem Freitod des Großvaters den Landwirtschaftsbetrieb der Familie übernehmen. Im Zuge der Ausweisung der deutschsprachigen Bevölkerung Mährens 1946 verschlug es die Mutter mit ihren drei Kindern nach Bayern in das Dorf Leibi bei Neu-Ulm, während der Vater in russischer Kriegsgefangenschaft gehalten wurde. Es folgte ein mehrmaliger Wohnortwechsel, nachdem sich der Vater nach seiner Heimkehr seinem zweiten Beruf, Architekt, zugewandt hatte. Die Familie lebte 1948-1952 in Dickhausen im Oberbergischen Kreis, 1952-1957 in Bonn und danach in Schwalbach bei Frankfurt. Mit dem Bau eines Eigenheims wurde sie dort wieder sesshaft.
Nach Volksschulen in den verschiedenen Wohnorten besuchte Wilfried Brückner das Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium in Bonn und das Leibniz-Gymnasium in Frankfurt-Höchst, wo er das Abitur ablegte. Dem folgte ein Architekturstudium mit Diplomabschluss an der Technischen Universität Stuttgart. Vorweg absolvierte er ein halbjähriges Baupraktikum und zwischendurch ein halbjähriges Büropraktikum bei Walter Schwagenscheidt und Tassilo Sittmann. Neben seinem Studium arbeitete Wilfried Brückner im Institut für Gebäudekunde, Institut für Bauphysik und Baustofflehre und Institut für Strukturforschung. Seine Berufsausübung begann er als Partner in der Planergruppe ROB. 1975 trat er in den öffentlichen Dienst und war bis 1996 als Leiter des Stadtplanungsamtes, als Technischer Beigeordneter und Baubürgermeister in Schwäbisch Hall tätig. Ihm unterstellt waren neben den technischen Ämtern auch die Museen der Stadt.
In der Zeit seines Wirkens in der ehemals freien Reichstadt erlangte die Denkmalpflege und allgemeine Baugestaltung einen hohen Stellenwert im Gemeinwesen. Die Tradition, den öffentlichen Raum mit Kunstwerken auszustatten, lebte wieder auf. Ein besonderes Anliegen war die Erhaltung des dörflichen Charakters und der landschaftstypischen Erscheinung angegliederter Ortschaften. Naturschutz und Landschaftspflege spielten eine wichtige Rolle in der Stadtentwicklungsplanung.
Unter der Ägide Wilfried Brückners entstanden mehrfach ausgezeichnete öffentliche Hochbauten (Landratsamt, Blendstatthalle, Glashaus, Arbeitsamt). In der Abfolge der historische Baustile, die sich zum Ensemble der Altstadt vereinigten, verkörpern sie die Moderne. Der Ausbau einer die Innenstadt umfahrenden Ringstraße für den Fahrverkehr (mit einer Kette von Parkhäusern) ermöglichte es, innerhalb liegende Straßen und Plätze in Fußgängerzonen zu wandeln. Besonders markant traten im Stadtbild die neu gestalteten Abschnitte Schiedgraben und Hirschgraben in Erscheinung. Wegweisende Projekte in Schwäbisch Hall seinerzeit waren die Landesgartenschau (Leitmotiv Landschaftsschau) 1982 und das Hohenloher Freilandmuseum im Weiler Wackershofen 1983. Die Planung und Durchführung der Landesgartenschau rückte die Flusslandschaft des Kochers ins Bewusstsein der Bevölkerung und diente der Rückgewinnung natürlicher Verhältnisse. Sie war Ausgangspunkt für ein das Gemarkungsgebiet überziehendes Biotopnetzwerk.
Die Ansiedlung des regiolen Freilandmuseums mit translozierten Bauwerken stärkte das Interesse und die Wertschätzung gegenüber der dörflichen und bäuerlichen Bau- und Sozialkultur. Eine bedeutende Bauaufgabe war die Einrichtung des Hällisch-Fränkischen-Museums (Keckenburgmuseum) in einem Komplex von historischen Gebäuden, die als Ursprung der Stadtentstehung gelten. Die alte Stadtmühle wurde intern mit sechs Nachbarhäusern verbunden. In den geschaffenen Räumlichkeiten wird die Geschichte, Kunst und Kultur in der städtischen Ausprägung gezeigt. Es entstand eine Identität stiftende Stätte, die nicht nur Verbindendes aus der Vergangenheit aufdeckt, sondern auch Impulse in das heutige Leben der Stadtbewohner aussendet.
Als Zeichen der Wertschätzung und Anerkennung seiner Verdienste um die Stadt wurde Wilfried Brückner bei seiner Verabschiedung mit der Goldenen Rathausmedaille der Stadt Schwäbisch Hall ausgezeichnet.
Erwähnungen
- Aufsatz Schiedgraben und Hirschgraben in Schwäbisch Hall = Schiedgraben and Hirschgraben ramparts in Schwäbisch Hall / W.B.
- archINFORM homepage of Wilfried Brückner – German architect
- Hirschgraben Schwäbisch Hall – Stadtplanung bei der Stadt Schwäbisch Hall
- Vom Modehaus zur Bibliothek: Vor 25 Jahren wurde das Gebäude in der Neuen Straße eröffnet. Der Ex-Baubürgermeister erinnert sich an Proteste.
- Modernes Shopping in historischer Nachbarschaft
- Schwäbisch Hall – Bürgerprotest gegen Gewerbegebiet